20
Okt
2015

Mannaggia Mininervä!

Ich kann mich in zwei Sprachwelten über mich aufregen, napoletanisch und schliermerisch. Mannaggia la miseria, ist ein typischer Ausruf in Süditalien um Dampf abzulassen und Mininervä ist hübsch zu sagen und politisch korrekt. Der Bildungsgang der Texterinnen und Texter startet am Donnerstag und ich habe lupenreines Lampenfieber: Dass ich nichts rüberbringen kann, dass ich umherhüpfe mit den Themen, mit den Lernzielen, dass ich die Teilnehmenden überfordere/unterfordere, dass der USB Stick verloren geht, dass der Beamer nicht funktioniert, dass meine Handschrift auf dem Flip-Chart wieder zu klein ist, dass ich zu schnell rede, dass ich meine Ideen nicht erklären kann, OMG. Ich erwache morgens um vier und schreibe kleine Kärtchen mit all meinen Einfällen auf. Dann ist da mein gesammeltes Lernmaterial: Auf Moodle stellen, via Mail schicken, Papierkopien machen? Wie soll ich das Ganze sequenzieren: Sandwichmodell, 5-Wellen-Modell, Dreischritt? Ist die eidgenössische Prüfung als Massstab motivierend oder enervierend? EinatmenAusatmen, das wichtigste ist eine ausgeschlafene Dozentin, also werfe ich mich auf die andere Bettseite und mache autogenes Training, das natürlich wieder durch einen Einfall durchkreuzt wird. Tagebücher für die Reflexion? Ordner für alle Unterlagen? KlassenchefIn wählen? Gut, gibt es eine dritte Sprachwelt in der ich Hilfe finde: Die coole Amerikanische. Overprepare and go with the flow. Genau, underprepare and then get flooded? Under the Baobab nanananana… Okay, ich muss meinen Bammel akzeptieren, auch nach dreissig Jahren kann ich mich mit einer kreativen Aufgabe total unter Druck setzen. Das macht mich doch jugendlich sympathisch. Und irgendwann, ich weiss es, kommt die Gelassenheit der Erfahrung wieder in meine Erinnerung. Ein Teil von mir weiss genau, dass ich vieles richtig überlegt habe. Und auch ein paar Reserve Übungen kann ich aus dem Ärmel ziehen. Das Beste in dieser bizarren Situation, ist zu schreiben, meinen Blog, what else. Oh brave new world, ich danke Dir für alle social online Medien, die ich betexten kann, ohne dass mich die grosse graue Gewissens-Eminenz in die Knie zwingt. Nobody reads my blog, dem Algorithmus sei Dank. Some like it hot some like it not, and nobody is perfect, anyway.

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