24
Jan
2018

Der Duft von Gold.

Ich bin nicht diejenige, die den Kuchenteig geschmeidig kneten, perfekt backen, in gleichmässige Schichten schneiden, mit Vanillecreme bestreichen, mit Couverture glasieren, mit einer Kumquat dekorieren und mit Goldstaub überhauchen kann. Aber ich bin diejenige, die den Mut hat zu wispern: ”He! Wir könnten den Goldstaub auf dem Kuchen parfümieren. Und dafür den Duft von Gold erfinden.“ Zugegeben, es ist keine Idee, die deinen und meinen Alltag highlightet, aber in einem Zwei-Sterne-Restaurant kann genau das den Unterschied machen zum dritten Stern.

Wieso ich?

Es ist nicht so, dass ich nicht gerne kneten, backen, gleichmässig schneiden, bestreichen, glasieren, dekorieren und überhauchen würde, aber ich bin eben diejenige, die den verrückten Traum träumt und ihn in Worte fassen will. Mit einer Prise Todesmut. Da sich so viele Menschen in ihrer Arbeit auf etwas fixieren wollen und nur in ihrer Freizeit träumen, bleibt für mich die professionelle Traumtätigkeit übrig. Mein napoletanisches Naturell hat mich in der Schweiz wohl auch dazu prädestiniert. Neapolitaner sind dafür berühmt, dass sie praktisch ihre ganze Existenz auf Traumwörter basieren. Oder Lügen. Ja, eine Idee in die Welt setzen, hat viel mit Bluffen zu tun. Fake it, till you make it, habe ich bei Milena Moser mal gelernt. Beim Bücher schreiben tangiert es nur den Autor, in der Kommunikation kann es ganze Projekte torpedieren. Alles, was ich in solchen Momenten als Argument ins Feld führen kann, ist mein ganzes gutes Herz.

Wieso Ihr?

Mich adelt der letzte Schritt bis zur Perfektion nicht persönlich, denn ohne alle anderen Beteiligten ist er nichts Wert. Es braucht seit 30 Jahren einfach Courage und Demut, Liebe und Hartnäckigkeit, Passion und Leidenschaft, um präzise den Moment abzuwarten, in dem ein Satz wie oben nicht vom Tisch gewischt wird wie das übrig gebliebene Mehl, sondern zu dieser einen, ganz speziellen Verbesserung führt, die das Projekt zum Fliegen bringt. Das, was ich tue, funktioniert nur, wenn alle Beteiligten an die Idee glauben: Die Kneter, Bäcker, Schichtenschneider, Bestreicher, Glasierer, Dekorierer und Überhaucher müssen nicht mir, aber an das Potential der Idee glauben. Sie müssen von ihrer Handarbeit aufschauen, nicken und ihren Konsens geben, Teil von etwas Grösserem und wahrscheinlich Verrückterem zu werden. Ihre Integrität bei der Arbeit zu teilen und zu investieren, in eine Dimension, die nur dank reiner Freude den Unterschied machen kann.

Modern Times.

In Zeiten von Verbundenheit durch das Internet kann die Dimension Idee virtuell von jedem gepachtet und weitergegeben werden. Die einen machen aus ihrer Küche eine visionäre Werkstatt, die anderen sammeln durch Crowd Funding Kunden, die gleichzeitig Teilhaber sind und die liebevollen Beobachter der Welt können durch ganz besondere Blickwinkel eine richtige Fangemeinde aufbauen. Meine Ideen habe ich ab den 80er-Jahren vor allem in der Werbung verkauft für Geld und Prestige. Ab Mitte 40 hat mich das Coaching begeistert; die Kunst andere bei ihrer Ideenfindung mit zu bewegen. Auch das tue ich für Geld, aber mehr für das Potential dahinter. Wenn 7 Milliarden sich die Lizenz zur Kreation von Ideen geben, dann haben wir alle eine bessere Chance. Mindestens auf viele, viele, viele kreative Kuchen.

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